Historie der Bücherei

Das Ende einer Stadtteilbibliothek.

Im Jahr 2013 beschließt die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel, im Zuge der Einsparungen, die im Zusammenhang mit dem Rettungsschirm des Landes Hessen notwendig wurden, die Stadtteilbibliotheken Wilhelmshöhe, Kirchditmold und Fasanenhof zu schließen.

Ein Bürgerentscheid gegen die Schließung scheitert an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Für einen erfolgreichen Bürgerentscheid hätten 25% der wahlberechtigten Kasseler dafür stimmen müssen. Leider waren es nur knapp 15%. Bei dem Bürgerentscheid sprachen sich jedoch 89% für den Erhalt der Stadtteilbibliotheken aus.

Somit wurde am 30. September 2013 die Stadtteilbibliothek Fasanenhof geschlossen.


Der Weg zur Weiterführung der Stadtteilbibliothek Fasanenhof

Nachdem die Stadtteilbibliothek Fasanenhof geschlossen war, bildete sich zeitnah der Arbeitskreis „Wiedereröffnung der Stadtteilbibliothek Fasanenhof“.

Dieser kontaktierte das Kultur- und das Schulverwaltungsamt mit dem Ziel, Wiedereröffnung einer Stadtteilbibliothek auf ehrenamtlicher Basis in der alten Räumlichkeit.

Mitte des Jahres 2014 gelang die Einigung. Die alte Räumlichkeit in der Bossentalschule durfte, gemeinsam mit der Schule, weiter genutzt werden.

Nach entsprechenden Vorarbeiten und unter großer Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger wurde der Verein

Stadtteilbücherei Fasanenhof e.V.“

am 24.November 2014 gegründet.


Prioritäres Ziel des neuen Vereins:

Baldige Wiedereröffnung der Bücherei.

Um dieses Ziel zu erreichen mussten schnell

- ehrenamtliche Mitarbeiter gefunden,

- Geld- und Sachspender gewonnen,

- die Bücherei neu eingerichtet,

- die Hard- und Software für die EDV beschafft,

- vorhandene sowie gespendete Bücher gesichtet,

inventarisiert und teilweise mit Folie eingeschlagen

werden.

Auch für die Miet- und Nebenkosten wurde eine einvernehmliche Lösung gefunden.

Schnell wuchs der Verein auf 40 Mitglieder, die bereit waren aktiv einen zügigen Neustart zu unterstützen. Geldspenden von Firmen, Banken, Ortsbeiräten und

Ortsteil ansässigen Bürgern ermöglichten die notwendigen Anschaffungen. So konnte im Januar 2015 mit den Arbeiten begonnen werden. Leider konnte das Ziel die Bücherei im März 2015 zu eröffnen, trotz unzähliger Arbeitsstunden, nicht erreicht werden

Im April 2015 war es dann soweit. Nach zusätzlichen Arbeitsstunden gelang es, die Bücherei auf einen Stand zu bringen, der eine Wiedereröffnung möglich machte.

Die neuen modernen Leseausweise, die aufgrund einer Spende der stadtteilansässigen Elektrofirma Hermann rechtzeitig beschafft werden konnten, sind ein gutes Beispiel dafür, wie Bürgerengagement in Verbindung mit der Unterstützung durch Sponsoren zum Erfolg führen kann.

Am 17. April 2015 konnte schließlich die Stadtteilbücherei Fasanenhof unter großer Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger sowie Vertretern des öffentlichen Lebens wieder eröffnet werden.

Verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger haben es geschafft, durch Eigeninitiative eine geschlossene soziale Einrichtung wieder mit Leben zu erfüllen.

Damit ist Menschen in den Stadtteilen Fasanenhof und Wolfsanger, besonders Kindern, eine weitere Bildungsmöglichkeit eröffnet.

Für das Gelingen der Vereinsgründung und dem Betrieb der Bücherei, gebührt unserer ehemaligen Vorsitzenden Frau Käte Heinrich ein großer Dank. Ohne Ihre guten Kontakte zu kommunalen Einrichtungen und Gremien sowie ihrem Erfahrungsschatz, wäre der Start des Vereines wohl nicht so zügig gelungen.

Ein Dank geht auch an unseren ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Pfarrer Christian Kawerau, der uns für die Vereinsgründung, die erweiterten Vorstandssitzungen und die Mitgliederversammlung, die Räume und die Einrichtungen des Gemeindehauses der Versöhnungskirche zur Verfügung stellte.


Ein Jahr Bücherei Fasanenhof

Stadteilbücherei Fasanenhof e. V. besteht ein Jahr

Seit nun einem Jahr besteht der Verein. Anlässlich der Mitgliederversammlung berichtete die Vorsitzende Käthe Heinrich über das erste Jahr des Bestehens. Die Mitgliederzahl stieg auf 96, die Zahl der Leser auf 243 inkl. Mitglieder, davon 129 Kinder und Jugendliche an. Durch die Mitarbeiter des Büchereibetriebes wurden über 2000 Bücher neu inventarisiert und der Altbestand der ehemaligen Stadtteilbibliothek gesichtet, aussortiert und neu inventarisiert. Mit den Schulen und Kindergärten der Stadtteile Fasanenhof und Wolfsanger wird intensiv zusammengearbeitet. So stellt der Verein Lesepaten für die Grundschule Bossental und stellt den Schülern den Büchereibetrieb vor. Auch der Kindergarten Bossental nutzt die Bücherei um Kindern der Vorschule den Zugang und Umgang mit Büchern zu erklären. Erste Veranstaltungen mit Michael Kaiser und Sabine Wackernagel, die zu Gunsten des Vereines auf ihre Gagen verzichteten, wurden durchgeführt. Wie bereits bei der Gründung des Vereines angekündigt, erklärte die Käthe Heinrich anschließend ihren Rücktritt, dem sich auch der stellvertretende Vorsitzende Christian Kawerau anschloss. Neu gewählt wurden Sabine Ude (Vorsitzende) und Wolfgang Trapp (Zweiter Vorsitzender). Frau Ude bedankte sich bei Frau Heinrich und Hr. Kawerau für die geleistete Anfangsarbeit. In einer weiteren Mitgliederversammlung am 10.12. 2015 wurde beschlossen, den Vorstand um zwei Beisitzerinnen/Beisitzer zu erweitern. Gewählt wurden Elke Ebert und Heidrun Trapp. Dem Vorstand gehören weiter an Norbert Lappöhn, Schatzmeister und Klaus-Dieter Krause, Schriftführer. Ein Dank ging an alle Sponsoren und Leser. Ohne deren Unterstützung wären die vielen Anschaffungen und die lfd. Kosten nicht zu stemmen gewesen. Der ehrenamtlich geführte Verein hofft auch im nächsten Jahr auf diese Unterstützung. An die Bürger in den Stadtteilen Fasanenhof und Wolfsanger hat Trapp eine große Bitte, engagieren Sie sich für den Verein durch ihren Vereinsbeitritt, als Leser durch den Erwerb einer Lesekarte oder als Sponsor. Als Belohnung steht die Freude der Vorschulkinder und Schulkinder, die jeden Dienstagmorgen die Bücherei besuchen, um Bücher auszuleihen oder in Büchern zu stöbern. Schauen sie einfach mal herein und freuen sie sich mit uns an der Wiederbelebung der Bücherei.

Öffnungszeiten der Bücherei: Montag, 15:00 – 18:00 Uhr; Dienstag, 09:30 – 12:00 Uhr und Donnerstag, 16:00 – 19:00 Uhr. Donnertags, 16:00 Uhr findet eine Vorlesestunde für Kinder ab 4 Jahre in der Bücherei statt.

Kulturförderpreis der Stadt Kassel 2016 - Bericht über "unsere Auszeichnung"

Stadtteilbücherei Fasanenhof e.V. mit dem Kulturförderpreis 2016 der Stadt Kassel ausgezeichnet!!!

Am 27.11.2016 wurde unser Verein, neben der Bücherei Kirchditmold und zwei weiteren Vereinen, mit dem Kulturförderpreis 2016 der Stadt Kassel ausgezeichnet. Die Überreichung der Urkunde fand anlässlich einer Feierstunde im Schauspielhaus des Staatstheaters statt. Unser Verein wurde mit einem Auftritt von vier Kindern und ihrer Lehrerin Frau Donner-Reitze mit einem Bilderbuchkino zum Thema: Bibliothek hervorragend.

Nachfolgend die Laudatio von Frau Sabine Wackernagel der wir an dieser Stelle nochmals danken.



Was es ist

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist ein Traum

sagt der Mut

Es ist zu teuer

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Spinnerei

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist ein Ziel

sagt der Mut

Es ist lächerlich

sagt der Fachmann

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist eine Bücherei

sagt die Wirklichkeit

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.


So heißt es in diesem schönen Gedicht von Erich Fried, das mir sofort einfiel, als ich darüber nachdachte, wie ich die aktiven Frauen und Männer der Büchereien beschreiben könnte.

In diesem Sinne habe ich mir erlaubt, das Gedicht ein wenig zu variieren. Denn was anderes als die Liebe zur Literatur, die Liebe zur Kultur und deren Vermittlung und nicht zuletzt die Liebe zu den Menschen - was sonst könnte einen antreiben, freiwillig eine solch zeitraubende Arbeit zu übernehmen?

Was als Sparmaßnahme angefangen hat, mündet heute in den Kasseler Kulturförderpreis. Dazwischen liegt Protest gegen die Schließung von drei Stadtteilbibliotheken,

  • das erste Bürgerbegehren, der erste Bürgerentscheid Kassels,

  • eine offene Diskussionskultur,

  • Sinn für Gemeinschaft,

  • Raum für Visionen,

  • und sehr viel Mut.

Denn wenn im Jahr 2013 jemand gefragt hätte, was das kostet, wie viel Einsatz und Geld nötig sind, um eine Bücherei zu übernehmen, ehrenamtlich zu führen und zum Motor der Stadtteilentwicklung auszubauen – dann gäbe es heute zwei Preisträger nicht.


Die Bücherei Kirchditmold

Die Bücherei Kirchditmold ist mittlerweile eine moderne

Bibliothek mit einem ständig wechselnden Bestand von rund 12.000 Medien – Bücher, Hörbücher, CDs, DVDs.

Über die Onleihe, der sich die Bücherei Kirchditmold 2014 als eine der ersten nordhessischen Bibliotheken angeschlossen hat, sind rund 100.000 Medien digital verfügbar.

Ungefähr 850 Leserinnen und Leser hat die Bücherei, davon sind 200 Kinder und 400 sind auch Mitglied im Trägerverein. Die Ausleihe und Bestandspflege organisieren ungefähr 50 Frauen und Männer, mittels professioneller Bibliothekssoftware natürlich.

Die regelmäßigen Veranstaltungen reichen von Lesungen und Vorträgen über Workshops bis hin zu Konzerten mit renommierten heimischen und überregionalen Künstler/innen sowie Autor/innen.

Sie treten fast immer ohne Gage auf und sprechen ein Publikum weit über Kirchditmold hinaus an.

Regelmäßig gibt es den Leseclub, der in Verbindung mit der Stiftung Lesen und der Ernst Leinius Schule geführt wird. Häufig besuchen Kindergartengruppen und Schulklassen die Bücherei, um dort die spannenden Seiten des Schreibens und Lesens zu entdecken. Beim wöchentlichen Zeitungslesetreff tauschen sich Interessierte über das Geschehen in der Welt und vor Ort aus.

Das Frühlingsfest im Mai und das Mistelfest im Dezember sind Events, wo 'man' sich trifft, wo die Straße zum Spielfeld wird und die Bierbänke zum politischen Smalltalk einladen. Das Ganze kostet rund 20.000 Euro im Jahr, die komplett eigen finanziert sind.


Die Bücherei Fasanenhof

Die Stadtteilbücherei Fasanenhof ist stärker auf Kinder fokussiert und auch in die Grundschule eingebunden. Aus ihr ist mittlerweile ein kleiner, moderner, bunter Ort für Bildung, Unterhaltung, Spiel und Spaß mit ca. 8.000 Medien geworden.

Von anfänglich 19 Gründungsmitgliedern ist die Mitgliederzahl inzwischen auf 110 angestiegen. Von den 330 Leserinnen und Lesern sind fast 200 Kinder.

Der Ausleihbetrieb, die Bestandspflege und die Ausgestaltung der Bücherei sowie die Außendarstellung des Vereines, wird von ca. 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisiert.

Veranstaltungen, wie Lesungen und Vorträge mit Künstlern und Autoren aus der Region und den Stadtteilen Fasanenhof und Wolfsanger sowie Kinderaktionen, Bilderbuchkino, Ferienspiele,

haben die Bücherei zu einem kulturellen Treffpunkt werden lassen.

Nachbarschaft wird im Fasanenhof großgeschrieben. Daher ist ein Schwerpunkt des Vereines eine sehr gute und kooperative Zusammenarbeit mit der Grundschule Bossental, der Kita Bossental und der evangelischen Versöhnungskirche.

Der Fasanenhof ist lebendig, besonders durch die Kinder. Kinder der Grundschule sind in der Pause regelmäßige Besucher der Bücherei oder kommen mit ihren Lehrern in die Bücherei um zu arbeiten. Auch Vorschulkinder der KITA kommen regelmäßig mit ihren Betreuern und haben somit schon in jungen Jahren Zugang zu der Vielfalt von Büchern. Die Stadtteilbücherei Fasanenhof ist somit auch eine Schulbibliothek.

Dies sind die Zahlen, Daten und Fakten.

Was beide Büchereien im Kern ausmacht und sie hervorhebt unter den Kultureinrichtungen ähnlicher Art, das geht weit darüber hinaus. Es hat in Kirchditmold den Anfang geprägt, ist in Fasanenhof darüber hinaus-gewachsen, denn die dortige Stadteilbücherei profitierte vom Konzept, der Erfahrung und der Unterstützung durch die Bücherei Kirchditmold. Und beide Initiativen weisen in die Zukunft.

Die Büchereien stehen dafür, dass eine kostbare, aber als zu teuer bewertete öffentliche Einrichtung durch ausschließlich ehrenamtliches Engagement weitergeführt werden kann. Was anfangs von einigen als traumtänzerische Spinnerei belächelt wurde, ist inzwischen eine im Alltag nicht weg zu denkende Institution.

Die Büchereien stehen dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger, Künstlerinnen und Musiker, Wissenschaftler und Autorinnen solidarisch für eine Kultureinrichtung engagieren können und wollen.

Die Büchereien stehen dafür, dass die Meinung eines jeden, einer jeden ernst genommen und damit zum Anstoß für neue Ideen wird.

Die Büchereien stehen dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Beruf, Alter und gesellschaftlichem Hintergrund, mit ihren besonderen Fähigkeiten und Interessen gefragt und willkommen sind und zur kreativen Gestaltung und Weiterentwicklung des Gemeinschaftsprojektes „Bücherei“ beitragen können.

So trägt die alte Form der Leihbücherei in Zeiten von web 4.0 unerwartet neue Früchte. Denn auch im digitalen Zeitalter bleibt Lesen Teil unserer Kultur, und weit mehr noch: eine grundlegende Technik, die Lernen und

Entwicklung, Kommunikation und Innovation erst ermöglicht. Das möchte ich besonders allen Politikerinnen und Politikern bei dieser Gelegenheit nochmals dringend ans Herz legen.

Denn Lesen stellt Verknüpfungen her, fördert Kontakte, macht neugierig und baut Brücken. Angesichts von 14% Analphabeten in Deutschland und einer steigenden Armutsrate ist die Förderung von Schreib- und Lesekompetenz wichtiger denn je. Zumal lesen auch heißt, sich Fremdes anzueignen. Deshalb sind Büchereien

prädestiniert, Integration zu befördern und zwischen Sprachen und Kulturen zu vermitteln - kostengünstig, wohnortnah und zielgruppenorientiert.

Die Büchereien Kirchditmold und Fasanenhof sind – natürlich – zuallererst Orte, wo Bücher gelesen werden. Doch sie sind weit darüber hinaus auch Orte, wo nicht nur Bürgerbeteiligung propagiert wird, sondern Bürgerwille umgesetzt ist. Sie sind eine Schule des Lebens, wie wir es uns wünschen: wo zugehört wird, wo die Meinung des anderen Raum bekommt, wo Auseinandersetzung geschieht.

Denn es ist, was es ist.

Es ist möglich

zeigt die Erfahrung.

Es ist eine Bücherei

zeigt die Wirklichkeit.


Und wie diese Wirklichkeit aussieht, zeigen uns nun die Kinder aus dem Fasanenhof.

So finden Sie uns:

Unsere Anschrift lautet: 

Hildebrandstr. 84, 34125 Kassel

Auf dem Gelände der Grundschule Bossental

Öffnungszeiten:

  • Montags: 15:00 - 18:00 Uhr
  • Dienstags: 09:30 - 12:00 Uhr
  • Donnerstags: 15:00 - 18:00 Uhr
  • Achtung, neue Öffnungszeiten beachten
  • Tel.: 0561/981 262 37

Gebühren:

  • Mitgliedsbeitrag jährl. 25,-- € incl. Lesekarte
  • Lesekarte Erwachsene jährl. 15,-- €
  • Lesekarte Jugendliche jährl. 2,50 €
  • Lesekarte Kinder jährl. 2,50 €